In der digitalen Welt ist alles anders.

Das denkt man zunächst. Wenn man die Gesetze erforscht hat, merkt man, dass alles logisch, manchmal sogar einfacher und auf jeden Fall genial ist.
Man hat natürlich 2016 viel mehr Möglichkeiten, als damals in der analogen Welt der 80er und 90er. Gleichzeitig kann man auch viel mehr falsch machen, als früher bzw. bekommen es die anderen schneller mit, wenn etwas in die Hose geht.
Daraus ergibt sich beim Unternehmer oder Manager manchmal ein kritischer Standpunkt, ja sogar Ablehnung oder Angst. „Besser erstmal abwarten. Wer nichts tut kann keine Fehler machen“. Aber Achtung, viele ahnen nicht, dass sie oder ihr business bereits am digitalen Dialog teilnehmen, ohne dass sie jemand um Erlaubnis gefragt hat. Das nennen wir dann den Dialog 2.0.

Aber was ist eigentlich passiert mit der Welt des analogen C-Netzes und dem Faxgerät (haben Sie noch eins?). Die Digitalisierung ist noch lange nicht so weit forgeschritten, wie wir glauben. Erst wenn die letzte Glühbirne und das Türschloss mit mir kommuniziert, ist der Prozess vielleicht irgendwann abgeschlossen.

Aber was bedeutet das für den Unternehmer?

  • Die Geräte sind schneller und klüger geworden: Sie ermöglichen es uns auf unterschiedlichen Kanälen 24/7 zu kommunizieren. Immer einfacher, schneller und mit immer mehr Bildern, einer Flut von Bildern
  • Wir hinterlassen eine breite Spur im Netz und verraten, wo wir sind, was wir mögen, wen wir mögen und was wir gerade angeschafft haben oder denken.
  • Die Kunden sind ungeduldiger geworden: Preise und Features von Produkten sind sofort abrufbar. Es wird verglichen und gnadenlos der beste Deal gesucht.
  • Alle reden bei jedem Thema mit und können schnell ein Publikum für ihre Äusserungen finden. Weil das dann irgendwo im Netz geschrieben steht, wird es leicht als valide, zitierbare Quelle missverstanden.
  • Unehrlichkeit wird sofort bestraft. Alles ist recherchierbar.
  • Unübersichtlichkeit (schlechte Orientierung) führt zum Verlust von Käufern und Fans
  • Treue gibt es kaum noch. Man muss jeden Tag im Netz aufs Neue beweisen, dass man die/der beste ist.

Wie gehen digitale Profis mit dieser Entwicklung um?

  • Sie schaffen klare Verhältnisse: Navigation, Handling, Orientieruing im Netz.
  • Sie machen ihre Produkte durch gute Visualisierungen sichtbar
  • Sie geben dem Konsument die Möglichkeit anderen mitzuteilen wenn sie etwas gut finden.
  • Sie verstehen wie sie ihr Produkt digital/viral bewerben müssen und wie man die Kommunikation dem gewählten Kanal anpassen muss.
  • Sie bieten zusätzlichen Nutzen wie das Kochrezept zur Küchenmaschine zum Download.
  • Sie praktizieren eine neue Ehrlichkeit: Statt die Philisophie zu vertreten, dass sie „nicht alles verraten“ oder mal „kurz abtauchen“, ist Courage gefragt.
  • Wenn mal was schief geht treten sie selbstbewusst vor die Kamera und erklären was passiert ist, warum es passiert ist und was sie tun, damit alles wieder gut wird.
  • Sie lernen jeden Tag dazu und interessieren sich für aktuelle Trends. Sie passen laufend ihre Strategie an und analysieren, ob es die Konkurrenz besser macht.
  • Mit einfachen Testmethoden können sie laufend ihr Ranking überprüfen.
  • Sie verwurzeln ihr Angebot auf Branchen-Plattformen, in den gesellschaftlichen Netzwerken und z.B. auf Google/My Business
  • Sie nutzen digitales Marketing um im direkten Kontakt mit ihren Kunden zu bleiben.

Ehrlich gesagt ist das ja alles nicht neu. Der Obsthändler, der mich an seinem Marktstand probieren lässt und sich nach meinen Kindern erkundigt oder eine Pflaume verschenkt, der hat verstanden, wie man seine Kunden bindet. Wenn ich bei Deichmann Schuhe kaufe, fragt mich die Verkäuferin bevor sie kassiert, ob ich ein Pflegemittel brauche. Amazon macht es nicht viel anders und bietet mir den Gürtel zur Hose oder das USB-Kabel zur externen Festplatte. Danke Big Data. Riesige Datenmengen werden bei diesem Vorgang im Hintergrund ausgewertet. Keine Stichproben, keine Statistik. Nein, einfach alle Daten, die zur Verfügung stehen.

Als TV-Producer habe ich lange mit sehr schnellen Medien, Unterhaltungs-Sendungen produziert- Im Nacken hatten wir stets eine aggressive Presse (BAMS, Bild, Express, Blick). Hier konnten wir uns keine Fehler erlauben. Ein falsches Wort und spätestens am Wochende wurde abgerechnet, mit Moderatoren, Geschäftsführern, Formaten, Kandidaten, Schummeleien, Fehlern und Einschaltquoten.

Sehr früh habe ich die fortschreitende Substitution des Fernsehens durchs Internet und On Demand Angebote proklamiert und die Chancen erkannt, die ein Dialogkanal und eine Multichannel-Kommunikation ermöglichen. Als Verkäufer, Konzept-Entwickler und Content-Produzent habe ich viele Firmen und Konzerne begleitet. Oft gehörten wir zu den Early Adoptern und die Vorraussetzungen für eine digitale Kampagne waren noch nicht weit genug. Sehr lange hielt man an den klassischen Werbe-Formen fest und proklamierte, dass im Internet kein Geld zu verdienen sei und überliess es Google, Facebook und Apple ausgrfeilte Erlösmodelle zu entwickeln. Die Gesellschafts-Medien („Social Media“) steckten zunächst noch in den Kinderschuhen und wurden von vielen belächelt. Als neuer Verkaufskanal identifiziert kam dann die grosse Enttäuschung. Statt es wie Google mit Adsense subtil überall dort zu versuchen, wo Kaufs- bzw. Bestell-Bereitschaft vorherrscht, wurde versucht mit geringem Fachverstand die Produkte im Internet so wie im Print, TV oder Radio zu bewerben. Das hat sich nur im Bereich der PreRoll-Werbespots etablieren können, alle anderen Erlösformen mussten und müssen täglich neu erfunden werden. Die Teleskoptechnik, wie ich sie nenne, hat sich hier besonders bewährt. Bei einer Dienstleistung wie Vimeo gibt es die kostenlose Grundstufe, für den Durchschnittskunden, der ab und zu ein Video hochlädt. Die nächsten Stufen heissen Pro und Pro plus und kosten Geld. Die Kunst auf der Erlösseite besteht hier darin, durch ein Upgrade den User zum zahlenden Abonenten zu machen.
Wer sich als Veranstalter auf diesem Level erfolgreich bewegen möchte, muss sein Produkt laufend optimieren, Interesse am Anderen zeigen und/oder laufend einen Mehrwert bieten.
Man muss 24 Stunden täglich dabei sein und mitdenken.
Delegieren geht fast gar nicht.

Deshalb gibt ihn kaum, den Unternehmer, der auf seiner Insel die Beine hochlegt. Es ist wie immer eine Frage des Fleisses…